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Einer gegen fünf und fünf gegen einen (Aber nicht zu doll!)

Es ritt einmal eine Person eine Lichtung im Wald entlang. Die Sonne schien durch das Blätterdach und natürlich gaben einige Vögel ihren Senf zur derzeitig gegebenen Stimmung des Waldes dazu. Bei der Person hoch zu Ross handelte es sich um einen Menschen; genauer, einen typischen Durchschnitts-Helden, wie man sie quasi an jeder Straßenkreuzung im relativ dichten Verkehr antrifft. Und dieser Held war natürlich entsprechend seiner Rasse gekleidet: eine blendend silberne Rüstung dominierte seinen Anblick. Die Sonnenstrahlen, die jene schimmernde, glänzende Rüstung trafen, verliehen ihr eine weitere prachtvolle, gleißende und leuchtende Helle. Ebenso rein wie sein Metallpanzer war auch sein Charakter. Von adeligem Geblüt war er, edel, gütig und selbstlos, ein Ritter ohne Furcht und Tadel, sowohl mutig als auch tapfer sowie gerecht, erfüllt von höchster Eleganz und Grazie, aber dennoch voller Stärke und Kraft. Zu einem derart reinen Helden gehört natürlich auch ein Pferd: ein schneeweißes Ross, ein stattlicher Hengst von alleredelstem Geblüt, welches seinem Herrn im Charakter in nichts nachstand. Beide waren durch ihre Erscheinung wie durch ein Podest der restlichen Welt entrückt, unantastbar, und selbst ein König hätte bei seinem Anblick noch einmal skeptisch an seiner eigenen Montur hinabgeblickt. Bei solch einem Helden darf auch das Adlerauge nicht fehlen. Er sah weit und scharf wie ein Greifvogel und daher erkannte er die nahezu obligatorischen, bösen, in den Bäumen versteckten Halunken, die sozusagen das Gegenstück zu unserem Helden waren und darauf warteten, dass der gute Ritter unter ihnen vorbeiritt, um ihn dann auf heroische Art und Weise anzugreifen und dennoch, obwohl es derer fünf waren, keine Chance gegen den silbernen, guten Helden zu haben. Der Tapfere, Gerechte und Edle stieg von seinem weißen Ross herab und rief:
"Hey! Ihr dort drüben in den Bäumen!"
"Was ist?", entgegnete einer der hinterhältigen Ganoven.
"Kommt mal bitte hier her zu mir!"
"In Ordnung!", schrie ein anderer.
Sie kletterten die Bäume hinab oder kamen hinter Baumstämmen hervor und trotteten zu unserem Helden hinüber. Dann steckten sie die Köpfe zusammen.
"Okay, Jungs!", flüsterte der edle Ritter. Er machte an dieser Stelle eine wichtige Pause, um die Spannung auf dramaturgische Art und Weise zu erhöhen. "Hört zu! Ihr habt diese Nummer schon oft genug durchgemacht, habt also eine gewisse Routine. Ich bin der Held und ihr die Bösen. Ihr seid zu fünft. Die Sache ist also klar! Ich gewinne, richtig?"
"Stimmt genau!", nickten die Banditen.
"So! Ich muss euch aber noch was sagen, bevor es losgeht.", fügte der Prächtige hinzu. "Ich hatte vorhin ein kleines Malheur beim Beeren-Pflücken. Und zwar hab ich mich an den Dornen übel in den Finger geschnitten. Hier, guckt!"
Die Halunken verzogen voller Mitleid und Ekel das Gesicht, denn sie konnten kein Blut sehen.
"Ich hab also quasi ein Handykap. Seid also ein bisschen vorsichtig, okay?"
"Geht klar!", bestätigten die Bösen.
"Gut! Alles klar? Dann los!"
Während der strahlende Ritter sich wieder in den wundervollen Sattel hob, liefen die anderen zu ihren Bäumen zurück und versteckten sich im Geäst. Als es wieder ganz still war, setzte der Held sein Pferd in Bewegung und es trabte gemächlich die Lichtung entlang in Richtung der versteckten Räuber. In dem Augenblick, da er sich ganz nah der Ganoven befand, ertönte ein lautes Geschrei ihrerseits; sie sprangen von des Ästen herab oder hinter den Bäumen hervor und zogen ihre Waffen. Da rief unser Held heroisch:
"Heda! Ihr elendes Halunkenpack! Jetzt bekommt ihr mein mächtiges Schwert zu spüren!"
Er sprang vom Pferd und parierte sogleich einen relativ leichten Schlag eines Gegners, wobei er (unser Held) sich etwas ungeschickt anstellte, da er ja seinen verletzten Finger nicht voll in das Gefecht integrieren konnte. Der Gegner stolperte ein paar Schritte zurück und überließ die nächste Attacke einem seiner Kumpanen. Während der nächste Feind mit einem Streitkolben auf den Ritter in schimmernder Rüstung losging, hampelten die anderen wild mit ihren Waffen gestikulierend im Hintergrund herum, um möglichst gefährlich auszusehen. Der Streitkolben-Böse verfehlte den Ritter und wartete anschließend bis der Gute ihm einen Tritt verpasste, welcher ihn zu einem fulminanten Flug ins Gebüsch veranlasste. Ein weiterer Feind mit einem Kriegsflegel holte (langsam) mit seiner Waffe aus und schlug dann zu, wobei der Mutige es schaffte, die Kette, an der die gezackte Kugel hing, mit seinem Langschwert durchzutrennen. Die Kugel flog durch die Luft und landete im Gesträuch, von wo aus (wie sollte es anders sein) ein Schmerzensschrei drang. Der mit dem Flegel war natürlich so perplex, dass der Furchtlose ihm seelenruhig sein Schwert in den Leib bohren konnte. Dieser schrie auf und sank tödlich verwundet zu Boden. Daher entschlossen sich zwei Halunken mit Schwertern parallel anzugreifen, während der dritte wieder gefährlich den Hintergrund unsicher machte. Dem Hieb des ersten wich er aus und parierte gleichzeitig einen etwas zu kraftvoll abgestimmten Schlag des anderen. Der Held musste etwas zurückweichen.
"He! Das hat weh getan! Nicht so doll, bitte!"
"Soll nicht wieder vorkommen.", entschuldigte sich der Böse.
Anschließend holte der Tadellose aus und schlug nach den Beinen des einen. Dieser jedoch wehrte den Schlag ab, während der andere mit einem Hieb seinerseits antwortete. Doch unser Held blockte diese Attacke und stieß seinen Gegner von dannen, und in dem Augenblick, da der erste wieder weit ausholte (natürlich nicht zu schnell), nutzte der Gütige die Zeit, die ihm gegeben ward, um jenem den Kopf vom Rumpf zu trennen, wie Eiweiß von Eigelb, wie Altpapier von Plastik. Das Haupt landete auf dem Boden ebenso wie der Rest, welcher nach hinten umkippte. Es waren derer zwei, die der Elegante noch zu besiegen hatte. Einer von ihnen (er konnte sich des Besitzes eines Speeres rühmen) sprang auf den Adeligen zu und trieb ihn mit seiner langen Waffe einige Schritte zurück. Das gefiel unserem Selbstlosen natürlich nicht und selbstlos wie er war schlug er die Spitze des Speeres ab. Nun konnte sich der Feind des Besitzes eines Schlagstocks rühmen und drosch daher auf den gleißenden Metallpanzer seines Kontrahenten ein. Das Preis-Leistuns-Verhältnis von Aufwand und Wirkung war aber derart inakzeptabel, dass ihm schon nach kurzer Zeit die Lust verging, wie Hunger einem Gesättigten, wie Durst einem....Betrunkenen. Er machte eine nicht völlig unbedeutende Pause, die wiederum vom starken Helden genutzt wurde, die Waffe des Schurken zu dezimieren. Jener konnte sich nun des Besitzes eines Stocks rühmen. Er hatte jedoch noch ein Ass im Ärmel, oder besser, im linken Stiefel, und den zog er nun hervor: einen nicht unerheblichen Dolch. Mit diesem Messer holte er langsam aus, um dem Helden genügend Zeit zu gewährleisten rechtzeitig abzutauchen und nach vorne in geduckter Haltung zu stürmen. Der Dolch sauste über ihm hinweg und der Kräftige rammte seinem Gegner sein Schwert in den Schritt. Dieser kreischte peinerfüllt auf und fiel um, als der Gute sein Schwert wieder entfernte. Daraufhin stürmte der letzte mit derselbigen Waffe auf ihn zu und ließ einen Hagel wohlabgeschmeckter Hiebe auf den Graziösen nieder regnen, denen dieser jedoch (wenn auch mit Mühe, da ihm der Finger noch immer wehtat) Paroli bieten konnte. Er konterte und drosch wuchtig auf den Letzten ein, und zwar so fest, dass jenem das Schwert aus der Hand geschlagen wurde. Und da unser silberner Held keine Gnade jedwedem Lümmel gegenüber zeigte, war auch dessen Schicksal besiegelt. Er stolzierte wieder zurück zu seinem friedlich grasenden Ross, bestieg es und machte sich auf den Weg zu weiteren schwierigen und gefährlichen Abenteuern. Zurück blieben entweder schwer verwundete oder tote Schurken, wie es sich gehörte. Aus dem Gesträuch ertönte eine schmerzerfüllte Stimme:
"Wie macht er das bloß?"
Der mit dem zerstörten Unterleib stöhnte: " Ich weiß es nicht. Aber wir hatten nicht die geringste Chance. Es kann halt nicht jeder Held sein."